Steven Levy – KL – Künstliches Leben

levySteven Levy führt seine Leser in eine völlig fremde Welt. Eine Welt, in der Informatiker und Mathematiker künstliche Welten erschaffen, die letztlich aus nichts als Zahlen bestehen. Hört sich furchtbar langweilig an, ist aber spannender als der beste Krimi. Denn in den High-tech-Labors werden die Informatiker ähnlich wie die Biologen in den Gen-Labors zu Göttern, indem sie künstliches Leben erschaffen.

Solche Wissenschaftsbücher können nur in Amerika geschrieben werden. Ich habe die 430 Seiten des 1992 erstmals erschienenen Buchs förmlich verschlungen. Dabei ist die Materie erstmal abschreckend. Die Theorie der Zellautomaten hört sich zunächst wie eine völlig abstruse Spielerei eines durchgeknallten Mathematikers auf Speed an. Levy schafft es aber, den ungeheuren Bogen von Conways bekanntem Game of Life bis hin zur Komplexitätstheorie und Chaosforschung zu spinnen und dabei tiefe Einblicke in die Erforschung so unkalkulierbarer Phänomene wie die Entstehung des Wetter oder der Evolution des Lebens zu geben.

Er erzählt dabei immer Geschichten von faszinierenden Einzelpersönlichkeiten, die besessen von einer Idee gegen alle Widerstände immer weiter forschten und auf diese Weise eine ganz neue Wissenschaft geschaffen haben. Eine Wissenschaft, die sich mit dem beschäftigt, was kalifornische Surfer als garl bezeichnen: eine gefährliche unberechenbare Welle. Im Slang des silicon valley ist damit all das gemeint, was sich bisher hartnäckig der Formalisierung widersetzt hat. Also zum Beispiel auch die natürliche Sprache und die menschliche Intelligenz. Diesen Wissenschaftlern geht es letzlich um die Frage, wie es möglich ist, intelligente, selbstbewusste Computer zu erschaffen. Ihre Antworten auf diese Frage werden die Welt in naher Zukunft genauso verändern wie es die Gentechnik oder die Quantenphysik bereits getan haben. CS

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