Paul Auster – Nacht des Orakels

Auster+Nacht-des-OrakelsIch war nie ein großer Paul Auster-Fan. Der 2003 erschienene Roman Nacht des Orakels hat mich aber durchaus in seinen Bann ziehen können. Wenn ich auch mit diesem Buch nicht vollkommen glücklich bin, ist das Buch auf jeden Fall sehr lesenswert.

Was mich am meisten stört sind die ausufernden Fußnoten. Die nerven einfach nur beim Lesen. Es handelt sich auch nicht um Literaturangaben wie in wissenschaftlichen Werken, sondern einfach um Zusatzgedanken, die der Autor meines Erachtens auch ohne jede Probleme einfach in den Haupttext hätte integrieren können. Ich kann keinen Sinn in diesem Stilmittel erkennen und lästig ist es obendrein. Das zweite was mich stört, ist die komplizierte, verschachtelte Konstruktion der verschiedenen Handlungsstränge. Auster arbeitet mit mindestens drei Ebenen: Ein Ich-Erzähler, der ein Buch schreibt. 2. Ebene: Die Handlung in dem Buch, die in der 3. Person Singular erzählt wird und darin kommt wieder ein Buch vor, dessen Handlung auch in der 3. Person Singular erzählt wird (3. Ebene). Das sorgt gerade zu Beginn für Verwirrung und man muss jedes Mal, wenn man das Buch eine Zeit lang liegengelassen hat, überlegen, auf welcher Ebene man sich gerade befindet.

Aber wenn man einmal drin ist, wird es immer besser. Das ist natürlich auch die spezielle Kunst von Paul Auster. Mir persönlich gefallen die postmodernen Spielereien eines Borges oder auch von Botho Strauss (Der junge Mann) etwas besser. Was Auster aber sehr gut kann, ist die feine Charakerisierung seiner Personen. Außerdem mag ich die sonderbare Atmosphäre seiner Romane und den oft phantastischen Aspekt. In Nacht des Orakels wird dieses phantastische Element durch ein geheimnisvolles Notizbuch erzeugt, dass eine magische Kraft auf den Ich-Erzähler auszuüben scheint. Und durch einen sonderbaren Traum der Frau des Ich-Erzählers, der in unheimlicher Weise dem entspricht, was der Ich-Erzähler in das Notizbuch geschrieben hat – ohne dass sie etwas davon wissen konnte.

Auster gelingt es sehr gut, die Ebene der Fiktion (Das Geschriebene) mit der Alltagsrealität des Schreibenden zu vermischen. Dabei erfährt man viel über den kreativen Prozess, den Schriftsteller bei Erfinden von Geschichten und Personen notwendigerweise durchlaufen. Kaum jemand beschreibt die Magie der Welterschaffung durch Wörter so gut wie Auster. Er schreibt über das Schreiben und auch über das Scheitern dabei. Wenn er dabei nicht mitunter zu berechenbar vorgehen würde, wäre ihm wahrscheinlich wirklich irgendwann einmal der Nobelpreis sicher.

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